„Die Halluzinationen sind nicht weg, die tauchen immer mal wieder auf, aber jetzt machen sie mir weniger Angst. Ich bin entspannter und kann sie freundlich grüßen – ich weiß ja, dass sie wieder verschwinden.“ – Unsere Patientin Anh*

Interview

Unterschiedlichen Bedarfen gerecht werden – Unsere Tagesklinik wächst

23.8.2022

Unsere Tagesklinik ist für Menschen wie Anh* oftmals der einzige Ort, an dem sie wieder inneren Frieden finden. In der Vergangenheit haben unsere Patient:innen Mut und Stärke bewiesen, um unerträglichen Lebensumständen zu entkommen. Doch die Erfahrung erniedrigt, gezwungen, vertrieben, ausgebeutet oder skrupellos verletzt zu werden, kurzum die Kontrolle über das eigene Sein zu verlieren, hinterlässt tiefe Spuren.

Wir haben uns darauf spezialisiert, geflüchteten Menschen mit erheblichen Traumafolgestörungen eine auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Behandlung mit geringen bürokratischen Hürden zu ermöglichen. Damit schließen wir im Zentrum ÜBERLEBEN seit nunmehr 30 Jahren eine Versorgungslücke in unserem Gesundheitssystem. Da der Bedarf anhaltend groß ist, erweitern wir dieser Tage das Angebot unserer Tagesklinik. Was das bedeutet, erklärt Wail Diab, Leiter der Tagesklinik und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, im Interview.

Was ist an der Tagesklinik im Zentrum ÜBERLEBEN so besonders? Und warum ist die Erweiterung der Tagesklinik so wichtig?

Unsere Tagesklinik richtet sich an eine sehr vulnerable Gruppe von Geflüchteten, die durch die Erfahrung von Krieg und Folter in ihren Heimatländern oder auf dem Fluchtweg häufig unter psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Traumafolgestörungen wie der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden. Vielen dieser Menschen ist der Zugang zu einer geeigneten Behandlung in Berlin aufgrund der sprachlichen und kulturellen Barrieren nur bedingt möglich, die meisten Angebote der Regelversorgung sind nicht für diese Zielgruppe geeignet. Durch die Erweiterung können wir zusätzliche niedrigschwellige Aufnahmen, zum Beispiel für Kriseninterventionen, anbieten und die Wartezeiten deutlich verkürzen.

Was umfasst das erweiterte Angebot? Was ist das Ziel des neuen Konzepts?

Zukünftig haben wir in der Tagesklinik ganze 24 Therapieplätze statt bisher 15 und können dadurch noch mehr traumatisierte Geflüchtete dabei unterstützen, einen Weg zurück in ein eigenständiges Leben zu finden. Die Erweiterung bietet uns außerdem die Möglichkeit, ein zusätzliches Therapiemodul anzubieten, welches nach einem verhaltenstherapeutischen Konzept gestaltet wird. Somit kommen wir unserem Ziel näher, den unterschiedlichen Bedarfen unserer Patient:innen durch die bestmöglichen wissenschaftlich validierten Ansätze gerecht zu werden.

Durch eine zeitnahe Aufnahme und Behandlung oder durch eine Krisenintervention können wir die Menschen schneller stabilisieren und ihnen eine Reintegration in die Regelversorgung und die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Wenn Patient:innen wie Anh es schaffen, ihre innere Balance wieder herzustellen und sich auf ihre Lebensplanung konzentrieren zu können, dann haben wir alle gemeinsam einen richtig guten Beitrag geleistet.

Welche Herausforderungen bringt die Erweiterung mit sich?

Aktuell sind wir dabei, das Gesamtteam in zwei Gruppen aufzuteilen – eine mit dem Fokus Verhaltenstherapie, die andere mit einem psychodynamischen Behandlungsansatz. Hier müssen wir eine gute Kommunikationsbasis schaffen, damit kein Wissen verloren geht. Dazu kommt der hohe organisatorische Aufwand der vergangenen Monate: Zunächst haben wir intensiv an der konzeptionellen Weiterentwicklung gearbeitet. Und als das Konzept stand mussten wir sieben neue Räume auf dem Gelände des Zentrums finden, diese komplett renovieren und mit neuen Möbeln ausstatten.

Das hat uns auch vor beachtliche finanzielle Herausforderungen gestellt, die wir nur durch die großzügige Unterstützung vieler engagierter Spender:innen lösen konnten.

Gemeinsam mit Ihnen konnten wir in den letzten 30 Jahren zahlreiche Menschen auf ihrem Weg der Besserung begleiten. Wir freuen uns, wenn Sie uns auch in Zukunft zur Seite stehen und mit Ihren Spenden traumatisierten Geflüchteten wie Anh* einen Lichtblick schenken.

Jede Spende hilft, die Heilung unserer Patient:innen zu fördern und ein Leben zu verändern.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

 

Bei folgenden Bedarfen können Sie uns bspw. unterstützen:

  • 20 Stühle für Gruppensitzungen und die Kreativtherapie für jeweils ca. 40€
  • 6 abschließbare Schränke für Akten und Materialien für jeweils ca. 300€
  • 12 Therapie-Sessel für jeweils ca. 160€
  • 4 stabile Liegen für den Ruheraum für jeweils ca. 100€
  • Vorhänge, Lampen, Raumtrenner, Geschirr für insgesamt ca. 550€
  • Sie wollen uns mit einem anderen Betrag unterstützen? Kein Problem, denn jeder Beitrag hilft.

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Die Tagesklinik im Zentrum ÜBERLEBEN wird in Kooperation mit der Klinik für Psychatrie und Psychotherapie der Charité Berlin-Campus Mitte (CCM) betrieben.

* Der Schutz unserer Patient:innen ist uns wichtig. Deswegen arbeiten wir mit Anonymisierungen bei Persönlichkeitsdaten und Fotos.